Science- Fiction

Station 7

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Science-Fiction 

Science-Fiction ist ein Tummelplatz menschlicher Vorstellungen von Zukunft. So spielen auch KIs und Roboter in vielen Science- Fiction-Filmen eine bedeutende Rolle. Oft werden die in den Filmen gezeigten künstlichen Lebensformen als Charaktere mit einem eigenen Bewusstsein dargestellt, die selbstständig denken und handeln können. Aber auch in diesen Geschichten ist eine menschenähnliche KI nicht immer selbstverständlich. Oft stehen die Protagonisten vor existenziellen Fragen, die die KI-Forschung auch in der realen Welt beschäftigt. In der Science-Fiction kommen überwiegend zwei Varianten von KIs vor: humanoide Roboter, also Maschinen, die der Form des menschlichen Körpers nachempfunden wurden und körperlose Intelligenzen, also Maschinen oder Computer, welche selbst „denken“, eventuell Sensoren zur Außenwelt haben, sich aber nicht bewegen können. Jedem Science-Fiction-Fan kommt hierbei wohl sofort HAL 9000, aus dem Kubrick-Klassiker „2001: Odyssee im Weltraum“, in den Sinn. 


Künstliche Intelligenz und Science-Fiction

Created with Sketch.

von Dr. Hubert Zitt


Künstliche Intelligenz (KI) spielt in Science-Fiction-Filmen häufig eine bedeutende Rolle. Die in den Filmen gezeigten künstlichen Lebensformen werden alle so dargestellt, dass sie ein Bewusstsein haben, sich also ihrer selbst bewusst sind und selbstständig denken und handeln können. In der realen Welt sind Künstliche Intelligenzen auf dem Vormarsch und wir dürfen gespannt sein, wie sich diese entwickeln werden und ob sie – wie in den Filmen – irgendwann ein Bewusstsein haben werden und wir uns dann die Frage stellen müssen: Ist das nun eine neue Form von Leben?

In der Science-Fiction werden vorwiegend zwei Varianten von Künstlichen Intelligenzen dargestellt. Zum Ersten sind dies humanoide Roboter, also „Maschinen“, die der Form des menschlichen Körpers nachempfunden wurden. Diese werden häufig Androide, Android oder kurz Droide genannt. Der Begriff hat seinen Ursprung in der griechischen Sprache und bedeutet „dem Mann/Menschen ähnliches Aussehen“. 

Ein menschenähnlicher „Roboterkörper“ ist alleine schon deshalb sinnvoll, weil wir unser Umfeld (Häuser, Treppen, Wege, Autos usw.) im Laufe der Zeit entsprechend unseren Körpern angepasst haben. Somit könnten sich humanoide Roboter wie wir Menschen in unserer Welt fortbewegen. Sonny aus dem Film I, Robot und Ava aus Ex Machina sind zum Beispiel solche humanoiden Roboter. Oder denken wir an die Androiden Data aus Star Trek und C‑3PO aus Star Wars

Die zweite Variante sind die körperlosen Intelligenzen, also Maschinen oder Computer, die „denken“ können, eventuell Sensoren zur Außenwelt haben, sich aber nicht bewegen können. Jedem Science-Fiction-Fan fällt hierbei wohl sofort HAL 9000 aus dem Kubrick-Klassiker 2001: Odyssee im Weltraum ein.

Aufgrund von Altersentwicklung, Urbanisierungen, Umbau der Energiesysteme, Sicherung von Frieden und Wohlstand usw. werden in den Industrieländern immer mehr intelligente Systeme benötigt. Wir Menschen werden schon in naher Zukunft (fast) überall von Künstlichen Intelligenzen umgeben sein und mit Robotern zusammenarbeiten. Dies wird viele Vor- und Nachteile sowie Problematiken mit sich bringen, von denen einige in der Science-Fiction bereits thematisiert wurden. Was wäre zum Beispiel, wenn Künstliche Intelligenzen zu einer neuen Lebensform werden? Welche Bedürfnisse und Rechte hätten solche (künstlichen) Lebensformen? Könnte man Roboter mit einem Bewusstsein noch als Besitz ansehen oder wäre das eine moderne Form von Sklaverei? Wie würde eine KI reagieren, wenn sie ihre Existenz als gefährdet erkennt, z. B. wenn sie mitbekommt, dass man sie abschalten will? Könnte eine KI eine Staatsbürgerschaft erlangen? Und ist die Zukunft der Menschheit noch vorhersehbar, wenn es den Künstlichen Intelligenzen gelingen würde, sich selbstständig weiterzuentwickeln oder gar sich selbst zu reproduzieren?

Die Frage, ob eine KI in unserer realen Welt ein Staatsbürger werden kann, ist dabei am schnellsten beantwortet, denn am 25. Oktober 2017 verlieh der Staat Saudi Arabien der Roboterdame Sophia von der Firma HANSON ROBOTICS bereits die Staatsbürgerschaft. Sophia ist somit der weltweit erste Roboter, der eine Staatsbürgerschaft besitzt. Man kann über die Sinnhaftigkeit dieser „Einbürgerung“ sicherlich lange diskutieren. Tatsache ist jedoch, dass Sophia schon fast wie ein Mensch interagieren kann. Sie redet in einem gut verständlichen Englisch und kann Lächeln und Traurigkeit imitieren.


Emotionen zu imitieren ist dabei eine Sache, Emotionen tatsächlich zu empfinden eine andere. Meistens werden Künstliche Intelligenzen in der Science-Fiction-Welt so dargestellt, dass sie damit Probleme haben. Eine Ausnahme ist der Roboter Sonny aus dem Film I, Robot. Er sagt von sich selbst, dass er manchmal träumt, und bekommt auch schon mal einen Wutausbruch, wenn er sich unfair behandelt fühlt. Könnten reale Roboter in Zukunft Emotionen empfinden wie Liebe, Hass, Angst, Freude, Wut? Könnten Künstliche Intelligenzen witzig sein? Würden sie richtig auf Sarkasmus reagieren und könnten sie Gestik und Mimik nachahmen und gar interpretieren?


Wir Menschen müssen zunächst lernen, was Sarkasmus ist, und entsprechend dem Tonfall und dem Gesichtsausdruck des anderen interpretieren, was damit gemeint ist, wenn jemand zum Beispiel zu uns sagt: „Du bist mir ein feiner Freund!“ Es sind unsere Lebenserfahrungen, die hier notwendig sind, um den Sinn des Satzes richtig zu deuten.

Damit Künstliche Intelligenzen Gestik und Mimik interpretieren können, brauchen sie auch so etwas wie Lebenserfahrung. Allerdings müssen sie diese Lebenserfahrung nicht zwangsläufig selbst machen, wie wir Menschen, sondern sie könnten diese einfach von uns „abgucken“. Und genau so wird es in dem Science-Fiction-Film Ex Machina dargestellt. Der Entwickler der Roboterdame Ava hat sämtliche Mobiltelefone auf der Erde gehackt, bei allen das Mikrofon und die Kamera eingeschaltet und diese Daten gesammelt und ausgewertet. Er hatte somit „unendliche Ressourcen an stimmlicher und mimischer Interaktion“, mit denen er dann Ava programmiert hat.


Etwas komplizierter wird es, wenn es darum geht, welche Bedürfnisse und Rechte Roboter mit Künstlicher Intelligenz haben werden. Genau darum geht es in der Star Trek-Episode „Wem gehört Data?“ (Star Trek: The Next Generation, Episode 2x09). Der Androide Data soll auseinandergenommen und analysiert werden, um weitere Roboter wie ihn zu bauen. Obwohl man ihn anschließend natürlich wieder zusammenbauen will, weigert sich Data, sich dieser Prozedur zu unterziehen, weil er befürchtet, dadurch seine Persönlichkeit zu verlieren. Es stellt sich die Frage, ob die „Maschine“ Data Eigentum der Sternenflotte ist oder nicht und ob Data für sich selbst Entscheidungen treffen darf. In einem Gerichtsverfahren wird dann geklärt, welchen Status und welche Rechte der Android hat. Es wird sogar die Frage gestellt, ob Data so etwas wie eine Seele besitzt, wobei uns die Star Trek-Autoren diese Antwort allerdings schuldig geblieben sind. Das Gericht entscheidet schließlich, dass Data zwar eine Maschine ist, aber nicht das Eigentum der Sternenflotte, und „dass Lt. Commander Data das unwiderrufliche Recht hat, für seine Person Entscheidungen zu treffen.“ Ich stelle mir jetzt gerade vor, wie das in der zukünftigen realen Welt sein wird, wenn ein Pflegeroboter für sich selbst die Entscheidung trifft, dass er umschulen will, weil ihm sein Job keinen Spaß mehr macht, oder er mal eine Woche Urlaub machen möchte. 


Die Star Trek-Episode „Wem gehört Data?“ wurde übrigens im Jahr 1988 produziert. Neben dem philosophischen Tiefgang geht es in der Episode auch um Datas technische Merkmale. So sagt Data über sich selbst: „Meine lineare Arbeitsgeschwindigkeit wurde auf 60 Billionen Operationen pro Sekunde geschätzt.“ Weiterhin gibt Data seine Gesamtspeicherkapazität (zumindest im englischen Original) mit 100 Petabyte (das sind 100.000 Terabyte oder 100 Millionen Gigabyte) an.

Der IBM-Rechner Watson, der im Jahre 2011 den Champion in der US-amerikanischen Quizshow Jeopardy! geschlagen hat, besaß einen Arbeitsspeicher (RAM) von 16 Terabyte und konnte bereits 80 Billionen Rechenoperationen pro Sekunde durchführen. Der zurzeit (2018) leistungsfähigste Supercomputer Sunway TaihuLight besitzt einen Arbeitsspeicher von 1,31 Petabyte und macht 93 Billiarden Rechenoperationen pro Sekunde (93 Petaflops). Was von den Star Trek-Autoren im Jahre 1988 für das 23. Jahrhundert prognostiziert wurde, haben wir in Bezug auf die Rechenoperationen pro Sekunde also heute schon um den Faktor 1000 überboten. Allerdings muss man dazu sagen, dass sowohl Watson mit seinen damals schon 2880 Prozessoren als auch Sunway TaihuLight um einiges größer sind als Data. Und mit 15 Megawatt benötigt Sunway TaihuLight etwa so viel Energie, wie eine Kleinstadt mit 15.000 Einwohnern.

Die oben bereits erwähnte Frage, wie eine KI reagieren könnte, wenn sie ihre Existenz als gefährdet erkennt, z. B. wenn sie erkennt, dass man sie abschalten will, wurde bereits im Jahre 1968 in dem Science-Fiction-Klassiker 2001: Odyssee im Weltraum thematisiert. Dem Bordcomputer HAL 9000 auf dem Raumschiff Discovery unterläuft ein Fehler und er soll daraufhin deaktiviert werden. Als HAL das realisierte, tötet er einige Besatzungsmitglieder, damit diese ihn nicht abschalten können. Wir lernen daraus: Einer künstlichen Intelligenz ohne Ausschaltknopf das Wohl der Menschheit anzuvertrauen, wäre mehr als fahrlässig.

Das ständige Wachstum des Internets, so genannte Deep-Learning-Algorithmen und das Internet der Dinge bilden gute Voraussetzungen zur Entwicklung Künstlicher Intelligenzen in unserer realen Welt. Es werden heute auch schon neuromorphe Chips gefertigt, die wie Nervenzellen und Synapsen im menschlichen Gehirn funktionieren, nur 10.000-mal schneller, d. h., die Systeme „denken“ und lernen auch 10.000-mal schneller. Wenn es uns gelingt, all diese Technologien zu verknüpfen, wird es auch möglich sein, Roboter mit Künstlicher Intelligenz zu bauen, wie wir sie aus Science-Fiction-Filmen kennen.

Abschließend möchte ich noch auf das Buch Smarte Maschinen – Wie künstliche Intelligenz unser Leben verändert verweisen, in dem der Autor Dr. Ulrich Eberl sinngemäß schreibt: „Künstliche Intelligenzen sind eine Herausforderung, aber (wenn wir es richtig machen) auch eine Chance für eine bessere Zukunft.“

 

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Dr. Hubert Zitt ist Dozent an der Hochschule Kaiserslautern am Campus Zweibrücken, Sachbuchautor, Vortragsredner und Experte für Star Trek. Als Elektroingenieur hat er es sich zur Aufgabe gemacht, die bei Star Trek und anderen Science-Fiction-Filmen gezeigte Technik und sonstige Hintergründe unterhaltsam, verständlich und zugleich anspruchsvoll zu erläutern. 


Dieser Text ist auch im Magazin zur Ausstellung enhalten:
Out of Office. Wenn Roboter und KI für uns arbeiten
Herausgegeben von Rita Müller/Mario Bäumer
Hamburg, 2018
ISBN: 978-3-947176-05-6

SZENEN AUS

2001: A SPACE ODYSSEY

1968; Regie: Stanley Kubrick

SHORT CIRCUIT

1986; Regie: John Badham

WALL∙E

2008; Regie: Andrew Stanton

ROBOT & FRANK

2012; Regie: Jake Schreier

HER

2013; Regie: Spike Jonze

AUTÓMATA

2014; Regie: Gabe Ibáñez

EX_MACHINA

2015; Regie: Alex Garland

WESTWORLD

2016; Regie: Jonathan Nolan u. a.

BLADE RUNNER 2049

2017; Regie: Denis Villeneuve

Zu Station 8: 
Das genuin Menschliche