OUT OF OFFICE

Wenn Roboter und KI für uns arbeiten

Virtualisierung der Sonderausstellung, die vom 7.11.2018 bis 19.5.2019 
im Museum der Arbeit in Hamburg gezeigt wurde

Wie sieht die Zukunft der Arbeit aus?

 

Können uns Roboter und Künstliche Intelligenz (KI) das Leben erleichtern? Können sie am Ende zu einer besseren Ausgestaltung der Arbeitswelt führen und uns den nötigen Freiraum verschaffen, die schönen Dinge im Leben zu genießen? In jedem Fall werden die digitalen Technologien immer intelligenter. Schon jetzt steckt KI in Apps, Suchalgorithmen, Robotern und Fahrassistenten – ganz gleich, ob es um die Bilderkennung, die Vorauswahl von Bewerberinnen und Bewerbern oder um die Vergabe von Krediten nach social scoring geht. Dies alles betrachten einige mit großer Sorge, andere wiederum mit großer Euphorie. Doch wenn Maschinen lernen, was bisher nur Menschen konnten, was geschieht dann mit den Menschen? Wir erleben gegenwärtig den Abschied vom klassischen Arbeitsbegriff – die Prioritäten werden neu gesetzt.

 

Brauchte das Telefon noch 75 Jahre bis es 100 Mio. Nutzer erreichte, waren es bei Facebook vier und bei WhatsApp und Instagram zwei. Die KI und die Geschwindigkeit neuer Innovationsprozesse verändern unser Denken, unsere Arbeit, unsere Kommunikation und Fortbewegung – der Wandel greift in alle Lebensbereiche ein. Wie sollen wir darauf reagieren? Um es mit den Worten des Informatikers Alan Kay zu sagen: der beste Weg die Zukunft vorherzusagen, ist sie mitzugestalten.

Die Ausstellung erkundet zukünftige Veränderungen unserer Arbeitswelt durch KI und Robotik und richtet so den Blick darauf, was den Menschen ausmacht. 

Über die Ausstellung

Mario Bäumer, Kurator und wissenschaftlicher Mitarbeiter im Museum der Arbeit, und Daniel Opper, Leiter des Bucerius Lab der ZEIT-Stiftung, erklären das Konzept der Ausstellung "Out of Office - Wenn Roboter und KI für uns arbeiten"

Die Wahl

Ein  Gedicht von Hans Manz, aus "Worte kann man drehen" (Weinheim/Basel 1974)

Menschen machen Maschinen.
Mehr Menschen machen mehr Maschinen.
Weniger Menschen machen mehr Maschinen.
Weniger Menschen machen mehr Maschinen, 
um mehr Mensch zu sein.
Mehr und mehr Menschen machen Maschinen, 
um weniger und weniger Mensch zu sein.
Mehr und mehr Menschen machen Maschinen,
um mehr und mehr Maschine
und weniger Mensch zu sein.
Weniger Menschen machen Maschinen, 
um mehr Mensch
und weniger Maschine zu sein. 

Virtueller Ausstellungsrundgang

Im Folgenden zeigen wir Ihnen die Stationen der Ausstellung "Out of Office" in Videos, Fotos und Texten. In den Videos bekommen Sie einen Eindruck davon, wie jede Station im Museum der Arbeit zu sehen war. Mit einem Klick auf "Zur Station" können Sie dann die einzelnen Exponate betrachten. 

Ausstellungsplan

Aufbau der Ausstellung "Out of Office" mit einem Überblick der einzelnen Stationen

Station 01 - Einführung

Willkommen im Netz aus Robotern, Künstlicher Intelligenz, Menschen und Arbeit. KI ist ein Begriff, der sehr häufig benutzt wird. Nur wenige können ihn erklären, viele aber sind beunruhigt. Worüber sprechen wir also? Forscher versuchen in der Robotik und der KI menschliche Wahrnehmung und menschliches Handeln durch Maschinen nachzubilden. Die Erschaffung künstlicher neuronaler Netze stellt einen Forschungszweig der künstlichen Intelligenz dar. Dieser hat ein biologisches Vorbild: natürliche neuronale Netze im Gehirn. Was einmal als Wissenschaft der Computer-Programmierung begann, hat sich mehr und mehr zur Erforschung des menschlichen Denkens entwickelt. Ein Netz kann verbinden, man kann damit fangen oder sich verfangen. Eine Auswahl technischer Entwicklungen bietet erste Orientierung und deutet die vielen ethischen Herausforderungen an.

Station 02 - Öffentlicher Diskurs

Die öffentliche Debatte um Künstliche Intelligenz wird hitzig geführt. Viele Medien zeigen ein dystopisches Bild einer Welt, in der Maschinen bereits intelligenter sind als Menschen. Sie würden nicht nur unsere Arbeitsplätze, sondern auch unsere Gesellschaft zerstören. Die mediale Geräuschkulisse suggeriert: Die guten Zeiten sind bald vorbei. Zu den größten Unsicherheitsfaktoren gehört die Unwissenheit: Wir fürchten uns vor allem, was wir nicht verstehen. Verkauft sich das Spiel mit der ängstlichen Emotion auch besser, so gilt gleichzeitig das Sprichwort „Angst ist ein schlechter Ratgeber“. Ein Blick in Richtung Wissenschaft zeigt oft eine rationalere Perspektive: Hier entsteht eher der Eindruck, dass wir es mit einer faszinierenden Entwicklung zu tun haben, die von Mustererkennung geprägt ist. Der Blick sollte möglichst darauf gerichtet werden, die Dinge sachlich zu beleuchten, um sich nicht unwissend einer Hysterie oder einem Hype anzuschließen. 

Station 03 - Intelligenz

An der Frage, was Intelligenz ist, scheiden sich die Geister. Zur menschlichen Intelligenz gehören viele Dimensionen, z. B. die mathematische, emotionale, sprachliche, kreative, soziale und sensomotorische Intelligenz. Der Informatik-Pionier Alan Turing (1912-1954) setzte die Frage, ob eine Maschine intelligent sei oder nicht, gleich mit der Frage, ob eine Maschine erfolgreich vorspiegeln kann, so etwas wie menschliche Intelligenz zu besitzen. Heute schlagen Programme die besten menschlichen Schach-, Go- oder Pokerspieler. Aber die Software weiß nicht, was ein „Spiel“ überhaupt ist. Wäre es nicht intelligenter, wenn eine KI beschließen würde, keine Lust zum Schachspielen zu haben oder selbstständig ein paar Regeländerungen vorschlägt? Gerade aber solche Impulse bereiten Programmen heute noch große Schwierigkeiten. 

Station 04 - Interviews 

Was sagen Experten aus verschiedenen Wissensdisziplinen zum Begriff Arbeit und zu den Chancen und Risiken der gegenwärtigen Entwicklung der Künstlichen Intelligenz und Robotik? Lernen Sie die ganz unterschiedlichen Antworten von einem Schriftsteller, einem Informatiker, einer Gewerkschafterin, einem Museumsdirektor, einem Journalist und einer Juristin kennen, die sich nicht scheuen, den Blick in die Zukunft zu wagen. Die Interviews wurden im April 2018 im Rahmen des Symposiums „Schafft der Mensch den Menschen ab?“ des Bucerius Lab aufgenommen. 

Station 05 - Prognosen

Gegenwärtig vergeht kaum eine Woche ohne Prognosen darüber, wie Automatisierung, KI und Robotik unser Leben verändern. Viele dieser Szenarien zeigen eine Arbeitswelt, die für die Menschen schlecht ausfällt: KIs und Roboter übernehmen immer mehr Jobs, es verschwinden Arbeitsplätze, der Wohlstand sinkt und die Kluft zwischen Arm und Reich vergrößert sich. Wissenschaftliche Studien scheinen solche Befürchtungen zu bestätigen. 2013 prognostizierten der Ökonom Carl Frey und der Informatiker Michael Osborne in der Studie „The Future of Employment“: 47 Prozent der Berufe in den USA könnten in den nächsten Jahren stark von der Automatisierung betroffen sein. In den Medien verbreitete sich dieses Ergebnis rasant. Heute steht fest: Die Osborne/Frey-Studie ist mit Vorsicht zu lesen. Was bedeutet dieses Studienergebnis und zu welchen Ergebnissen kommen Folgeuntersuchungen?

Station 06 - Berufe 

Algorithmen verarbeiten Datenmengen, die ein Mensch niemals in einer vertretbaren Zeit durchsuchen könnte. Aber wirkt sich dieses Potenzial immer positiv auf die Gesellschaft aus? Der Einsatz Künstlicher Intelligenz revolutioniert schon jetzt unsere Arbeitswelt. Zum ersten Mal treffen Automatisierungsmöglichkeiten auch hochqualifizierte Berufsgruppen. Die Schauspielerin Marie Schöneburg stellt die unterschiedlichen Entwicklungstrends exemplarisch dar. Anhand der Berufe der Ärztin und Juristin werden kooperative Aspekte zwischen KI und menschlicher Arbeitskraft betont. Die Softwareentwicklerin, IT-Beraterin und Mediendesignerin stehen für die Gewinner dieser Entwicklung. Die Berufe der Busfahrerin und Supermarktkassiererin verkörpern Tätigkeiten mit einem hohen Rationalisierungspotential. Als letztes werden die Berufe Erzieherin und Pflegerin als Beispiele für schwer zu ersetzende Berufsgruppen gezeigt.

Station 07 - Science-Fiction

Science-Fiction ist ein Tummelplatz menschlicher Vorstellungen von Zukunft. So spielen auch KIs und Roboter in vielen Science- Fiction-Filmen eine bedeutende Rolle. Oft werden die in den Filmen gezeigten künstlichen Lebensformen als Charaktere mit einem eigenen Bewusstsein dargestellt, die selbstständig denken und handeln können. Aber auch in diesen Geschichten ist eine menschenähnliche KI nicht immer selbstverständlich. Oft stehen die Protagonisten vor existenziellen Fragen, die die KI-Forschung auch in der realen Welt beschäftigt. In der Science-Fiction kommen überwiegend zwei Varianten von KIs vor: humanoide Roboter, also Maschinen, die der Form des menschlichen Körpers nachempfunden wurden und körperlose Intelligenzen, also Maschinen oder Computer, welche selbst „denken“, eventuell Sensoren zur Außenwelt haben, sich aber nicht bewegen können. Jedem Science-Fiction-Fan kommt hierbei wohl sofort HAL 9000, aus dem Kubrick-Klassiker „2001: Odyssee im Weltraum“, in den Sinn.

Station 08 - Das genuin Menschliche

Was kann der Mensch besser als die Maschine? Sensorische Fähigkeiten, Empathie und Kreativität werden dem Menschen zugesprochen. Kreativität ist die Fähigkeit, Neues zu erschaffen. Kreatives Denken und neue Ideen entstehen durch freie Entscheidungen und Originalität, manchmal auch durch Regelbrüche. Neue Computer-Programme komponieren Musik, schreiben Texte oder malen Bilder. Kritiker werfen ein, dass das keine Kunst, sondern eine zufällige Aneinanderreihung von Daten auf Basis moderner Algorithmen sei. Im Prinzip wird bei den KI- Projekten eine Software mit Daten bestehender Kunstwerke gefüttert. Algorithmen zerlegen die Daten in ihre Einzelteile, analysieren sie und setzen sie zu neuen Werken zusammen. Muss nun die Definition von Kreativität als Domäne des Menschen neu überdacht werden? Machen Sie den Test! Wenn Sie das Werk einer KI nicht von dem eines Menschen unterscheiden können, hat die Maschine den Test bestanden.

Station 09 - Zukunftsszenarien 

Ein Szenario ist ein vereinfachendes Konstrukt, das einen möglichen Weg in die Zukunft sowie einen möglichen zukünftigen Zustand beschreibt. Hier werden Sie mit verschiedenartigen Szenarien konfrontiert. Künstlerisch wird in diesen Szenarien die Transformation der gesellschaftlichen Arbeitsstruktur über die nächsten ein bis zwei Jahrzehnte beleuchtet. Der Blick richtet sich sowohl auf einschneidende Veränderungen bis hin zum Übergang in ein gänzlich neues System des Arbeitens und Wirtschaftens, in dem auch die Sozialsysteme entsprechend anders aussehen müssen, und in dem vielleicht das Prinzip der Lohnarbeit gänzlich überholt ist.
  Die Animation präsentiert kein Phantasieprodukt und ist auch nicht Ausdruck von Angst- oder Wunschvorstellungen, sie erhebt vielmehr den Anspruch, Möglichkeiten der Zukunftsentwicklung zu beschreiben, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit eintreten können. „Szenarien sind Geschichten über die Zukunft, aber ihr Zweck liegt darin, bessere Entscheidungen in der Gegenwart zu treffen.“ - Ged Davis

Station 10 - Forum

Wenn so viele Tätigkeiten von Maschinen übernommen werden können, muss eine Gesellschaft darauf reagieren können und diese Entwicklung für sich nutzen. Sie sind herzlich eingeladen, die bereits existierenden Lösungsmodelle für die Arbeitswelt der Zukunft zu bewerten. Mit Hilfe von Expertinnen und Experten hat das Museum der Arbeit einige davon zusammengetragen, die Sie an vier Stationen bewerten können. 

Das Ergebnis ist auf dem Monitor zu sehen. Es wird laufend aktualisiert. Sie haben eigene Ideen, wie wir dem Wandel der Arbeitswelt begegnen können? Teilen Sie diese mit anderen Besucherinnen und Besuchern und hinterlassen Sie eine Karte an der Pinnwand. Wie wichtig ist uns Arbeit als sinnstiftender Faktor? Wäre auch eine Welt möglich, in der niemand mehr arbeitet? Wie sähe dann unsere Gesellschaft aus? Wir wissen nicht genau, was kommt, aber wir können es gestalten.